Der Aufstieg von Private Debt

Der Aufstieg von Private Debt

Nach der globalen Finanzkrise hat sich Private Debt zu einer stark wachsenden Anlageklasse entwickelt. Besonders für renditeorientierte institutionelle Anleger ist sie interessant. Peter Bezak von der Zurich Invest beleuchtet die Wachstumstreiber und erklärt, wie Pensionskassen Marktchancen nutzen können.

Private Debt ist wohl die jüngste Anlageklasse im Privatkapitaluniversum. Zudem verzeichnet sie seit der globalen Finanzkrise ein starkes Wachstum: Das global verwaltete Vermögen ist jährlich kontinuierlich gestiegen und erreichte 2019 einen Stand von 812 Mrd. US-Dollar. Damit ist Private Debt mittlerweile die drittgrösste Anlageklasse im Bereich der Privatmarktanlagen.

Private Debt ist aber nicht gleich Private Debt: Im Wesentlichen lassen sich die Segmente Unternehmens- (Corporate Private Debt resp. Direct Lending), Immobilien- (Real Estate Debt) und Infrastrukturfinanzierungen (Infrastructure Debt) unterscheiden.

Private Debt erfreut sich in Europa steigender Beliebtheit


Peter Bezak, Anlageexperte Zurich Invest.

Direct Lending als Alternative zur Bankfinanzierung

Wie lassen sich im aktuellen Niedrigzinsumfeld überhaupt noch interessante Renditen zu einem vertretbaren Risiko generieren? Diese Frage beschäftigt auch die institutionellen Anleger – und als Antwort haben sie in den vergangenen Jahren ihr Augenmerk verstärkt auf Investitionen in das Direct Lending gerichtet. «Dieser Trend zeigt sich primär bei der direkten Kreditvergabe an Mittelstandsunternehmen. Aufgrund der gestiegenen regulatorischen Anforderung ist dies eine interessante Alternative zur traditionellen Bankfinanzierung», erklärt Peter Bezak, Anlageexperte bei der Zurich Invest. Diese direkte Kreditvergabe an Mittelstandsunternehmen, das sogenannte «Middle Market Lending», wird mehrheitlich von Private-Equity-Sponsoren finanziert. Oft sind strategische Akquisitionen, Übernahmen von Private-Equity-Unternehmen oder Wachstumsfinanzierungen das Ziel.

Fragmentierter europäischer Private-Debt-Markt

Die Banken in den USA haben sich seit den 90er Jahren peu à peu aus dem Private-Debt-Geschäft zurückgezogen. «Dies gab dem Markt für Unternehmensfinanzierungen Spielraum und mit der Finanzkrise einen erheblichen Vorwärtsschub. Der einheitliche Wirtschaftsraum und besonders das einheitliche Insolvenzrecht haben in den USA zur positiven Entwicklung dieses Marktes beigetragen», kommentiert Bezak.

Derzeit sei der US-Corporate-Private-Debt-Markt grösser und entwickelter als das europäische Gegenstück. Doch auch in Europa beobachtet der Experte wie regulatorische Anforderungen erhöht werden und gleichzeitig das Bedürfnis nach flexiblen Finanzierungslösungen steigt. «Auch diesseits des Atlantiks haben sich die Banken sukzessive auf ihre Kernmärkte zurückgezogen. So konnten sich die Direct-Lending-Manager dank ihrer kurzen Reaktionszeiten und individualisierten Finanzierungslösungen sichtbar etablieren», so Bezak.

Allerdings bleibe der europäische Markt aufgrund unterschiedlicher Rechtssysteme und sprachlicher Herausforderungen immer noch stärker unterteilt als in den USA. Deshalb konzentrieren sich die Manager in Europa entweder auf ein Rechtssystem oder setzen auf lokale Präsenzen an mehreren Standorten. Die grössten Direct-Lending-Marktanteile haben in Europa aktuell das Vereinigte Königreich, Frankreich und Deutschland. Darüber hinaus haben die Manager ihre Präsenzen etwa in den nordischen Ländern, den Benelux-Staaten oder in Spanien ausgebaut.

Niedrigzinsen steigern Nachfrage nach Private Debt

In Europa hat sich die Anzahl der Transaktionen im Bereich Corporate Private Debt über die letzten Jahre vervielfacht. Das liege insbesondere am steigenden Investitionsangebot für Nicht-Banken-Investoren sowie an den Mittelstandsunternehmen, die sich nicht über eine Bank finanzieren. «Doch vor allem die anhaltenden Niedrigzinsen begünstigen die Nachfrage der institutionellen Anleger nach Private Debt. Mit jährlichen Renditen zwischen 7 und 9 Prozent im Euroraum bietet dieses Segment aus Sicht der Anleger eine attraktive Illiquiditäts- und Komplexitätsprämie», meint Bezak. Zusätzlich basieren die Darlehen oft auf einer variablen Verzinsung, wodurch die Anleger gut gegen einen Zinsanstieg geschützt seien. Mittlerweile bieten in Europa bereits 50 Direct-Lending-Manager ihre Dienstleistungen an. Diese Heterogenität der Investments sei für den institutionellen Investor eine grosse Herausforderung.

Heterogenität mit Expertise begegnen

Neben vielen Nischenanbietern, welche sich auf einzelne Länder oder Sektoren spezialisieren, gibt es lediglich eine Handvoll Anbieter, welche den Gesamtmarkt bearbeiten. Deren Grösse biete entscheidende Vorteile: Über ihr breites Netzwerk verfügen sie über einen guten Zugang zu den Firmen, zudem können sie grössere Kredite vergeben. Nicht zuletzt haben sie die notwendigen Ressourcen. «Um in Europa präsent zu sein, braucht es jedoch auch lokale Büros und ein grosses Team an Experten, welche das Beziehungsnetzwerk zu den Private-Equity-Sponsoren und Unternehmen pflegen», merkt Bezak an. Zudem sei Erfahrung bei der Restrukturierung kleinerer Unternehmen notwendig, weil diese anfälliger für Ausfälle sind. Über diese Expertise verfügen oft nur etablierte Direct-Lending-Anbieter. Deshalb geht die Empfehlung des Experten an Investoren über eine angemessene Diversifikation über Kreditnehmer, Sponsoren, Sektoren und Länder hinaus: Besonders attraktiv seien Kredite an Unternehmen von etablierten Private-Equity-Sponsoren mit Schwerpunkt auf Firmen mit hohem freien Cashflow in defensiven Sektoren.

Investitionsvehikel für institutionelle Anleger

«Angesichts des notwendigen spezialisierten Know-hows bei der Kreditauswahl und beim Kreditportfoliomanagement empfiehlt es sich, das Investment über indirekte Investitionsvehikel oder Mandatslösungen zu realisieren. Dabei ist eine Umsetzung über offene oder geschlossene Fondsstrukturen möglich, die von professionellen Investment-Managern strukturiert und verwaltet werden», so der Experte. Typischerweise bieten sich hier Schweizer Anlagestiftungen oder in Luxemburg domizilierte Strukturen an. Schweizer Pensionskassen investieren meist über geschlossene Private-Debt-Anlagelösungen. Die Investmentperiode erstreckt sich dabei über die ersten drei bis vier Jahre, in der das Kapital nach und nach abgerufen und investiert wird. Zinszahlungen und Rückzahlungen der Kredite werden dann als Cashflows während der Laufzeit an die Investoren ausgeschüttet. Die geschlossene Struktur passt zur illiquiden Natur solcher Anlagen, die in der Regel bis zur Maturität gehalten werden.

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