Warum es sich lohnt, langfristig an einer Strategie festzuhalten

Warum es sich lohnt, langfristig an einer Strategie festzuhalten

Die Aktienmarktrenditen schwanken stark, sind aber langfristig in der Regel positiv. Gleichwohl gilt: Diversifikation senkt das Risiko.

Die Aktienmärkte sind wieder volatil – und zwar so stark wie zuletzt während der globalen Finanzkrise und dem berühmten Schwarzen Montag. Das zeigt der Volatilitätsindex VIX, der die erwartete Schwankung des US-Börsenindex S&P 500 angibt und als Stimmungsindikator für die globalen Märkte gilt. So reiht sich die Corona-Krise 2020 ein in den Reigen ausserordentlicher Marktsituationen mit grösseren Markteinbrüchen und überdurchschnittlich hohen Volatilitäten aus den vergangenen 35 Jahren: Schwarzer Montag 1987, Russlandkrise 1998, Dotcom-Blase 2000, 11. September 2001, die globale Finanzkrise 2008 und die Eurokrise 2010/2011. Alle diese Ereignisse verursachten ausserordentliche Marktsituationen mit Volatilitäten über dem langjährigen Durchschnitt des VIX von rund 20 Punkten (Abbildung 1).

Rekordhoch des Volatilitätsindex VIX nach dem Schwarzen Montag

Ernüchterung nach einem Top-Jahr 2019

Das Jahr 2019 war aus Anlegersicht eines der besten Jahre und von unterdurchschnittlichen Schwankungen geprägt. Mit rund 30 Prozent lag die Rendite des Schweizer Aktienmarktes deutlich über dem langfristigen historischen Durchschnitt von rund 7,5 Prozent seit 1987 (Abbildung 2). Gegenwärtig zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Allein im März 2020 fiel der Schweizer Aktienmarkt mehr als 14 Prozent.

Aktienrenditen und Indexentwicklung (logarithmiert) in der Schweiz

Mehr positive Renditen in der langen Frist

Abbildung 3 illustriert die Häufigkeitsverteilung der Jahresrenditen von Schweizer Aktien seit 1926. Dabei verzeichneten die Aktien in der Schweiz lediglich in den Jahren 1931 (Weltwirtschaftskrise), 1974 (Ölpreisschock) und 2008 (Finanzkrise) Verluste von mehr als 30 Prozent. Ähnliche Werte erhält man für den Dow Jones Industrial Average Index, den breiteren US Aktienmarktindex S&P 500 sowie für andere internationale Aktienmärkte. In der Theorie der Normalverteilung sollten 67 Prozent der Werte innerhalb einer Standardabweichung liegen, das heisst ungefähr zwischen minus 10 Prozent und plus 30 Prozent für Aktien in der Schweiz. Die Erfahrung zeigt uns aber, dass es auch Werte ausserhalb dieser Wahrscheinlichkeit gibt. Ausserdem lässt sich beobachten, dass historisch betrachtet fast 70 Prozent der Jahresrenditen positiv waren. Eine weitere Erkenntnis: Auf schlechte Jahre folgen meistens Jahre mit positiver Rendite.

Häufigkeitsverteilung der Jahresrenditen von Aktien in der Schweiz seit 1926

In den letzten zehn Jahre resultierte ein Plus

«Kaufen und liegen lassen» hat der Börsen- und Finanzexperte André Kostolany im letzten Jahrhundert empfohlen. Dabei bezog er sich auf Aktienanlagen mit einem langfristigen Anlagehorizont von über 20 Jahren. Selbst bei einem kürzeren Anlagehorizont von zehn Jahren konnten Anleger auf dem Schweizer Aktienmarkt in sieben von zehn Jahren eine positive Jahresrendite generieren. Insgesamt resultierte in den letzten zehn Jahren (Anfang 2010 bis Ende 2019) eine durchschnittliche Rendite von fast 9 Prozent pro Jahr.

Gemischte Portfolios leiden weniger

Die Renditen des Swiss Performanceindex (SPI) zwischen den Höchst und den Tiefst zeigen deutlich den Unterschied zu einem gemischten Portfolio, mit 50 Prozent CHF-Obligationen Inland und Ausland, 30 Prozent Aktien Schweiz und 20 Prozent Immobilien Schweiz: Bei der globalen Finanzkrise 2007/08 z.B. haben die Schweizer Aktien rund 50 Prozent an Wert verloren während die gemischte Anlagestrategie mehr als zwei Drittel weniger einbüsste (Abbildung 4). Nach Platzen der Dotcom-Blase im März 2000 hat ein ausgewogenes Portfolio sogar positiv rentiert, während der breite Schweizer Aktienkorb negativ abschnitt. Grund dafür war, dass andere Anlageklassen wie Obligationen, Immobilien und alternative Anlagen, positiv beigetragen haben. Das zeigt uns einmal mehr, dass ein breit diversifiziertes Portfolio in ausserordentlichen Marktsituationen negative Ereignisse abfedern und einen viel stabileren Ertragsstrom erreichen kann.

Renditen in ausserordentlichen Marktsituationen (vom Höchst zum Tiefst)

Portfoliodiversifikation ist sinnvoll

Die klassische Portfoliodiversifikation ist für viele Anleger das richtige Mittel, um in einem volatilen Marktumfeld das Portfolio auszubalancieren und bei stärkeren Abschwüngen zu schützen. Dieser gewünschte Effekt der Risikoreduktion wird dadurch hervorgerufen, dass die verschiedenen Anlagegefässe nur schwach miteinander korrelieren. Auch wenn Extremsituationen auf den gesamten Markt einwirken, so bewegen sich die Anlagen doch mittel- und längerfristig wenig zusammen. Entsprechend reduziert die Mischung der Anlagen weiterhin das Risiko in einem Portfolio. Zudem bringt Diversifikation für den Investor sicher den Vorteil, dass der emotionale Druck bei hohen Wertschwankungen nicht zu gross wird. In der kurzen Frist, in der hohe Volatilitäten herrschen, kann ein traditionell ausgewogenes Portfolio negative Ereignisse abfedern. Die verhältnismässig kurzfristig hohe Volatilität sollte aber für langfristig orientierte Anleger ohnehin eine untergeordnete Rolle spielen.

Langfristig an Anlagestrategie festhalten

Sogenannte «Schwarze Schwäne» sind zwar selten, dennoch von signifikanter Bedeutung. Sie können nicht vermieden werden, doch kann man ihre Folgen mit einer guten Diversifikation deutlich abmildern. Ein Anleger sollte sich aller Portfoliorisiken bewusst sein und deshalb auch Szenarien in möglichen Extremsituationen mit einbeziehen. Nur so kann er solche Situationen gelassen durchstehen und an seiner langfristigen Strategie festhalten – bis zur Erholung, welche meist nicht lange auf sich warten lässt. Nach einer Phase mit schwacher oder negativer Performance stellen sich Anleger häufig die Frage, ob die eingeschlagene Anlagestrategie noch sinnvoll ist. Sollte möglicherweise das Risiko reduziert werden, um weitere Rückschläge zu vermeiden? Doch ein Tief ist meistens genau der falsche Moment, um aus einer langfristigen Anlagestrategie auszusteigen. Denn in der Regel folgen auf schwache Phasen am Aktienmarkt solche mit überdurchschnittlicher Performance. Anleger sollten zwar jährlich prüfen, ob die strategische Vermögensallokation nach wie vor ihrer eigener Risikofähigkeit entspricht. Solange dies aber der Fall ist, so sollten Anleger unbedingt an ihrer Anlagestrategie festhalten.

Weitere Informationen zu Gemischte Portfolios finden Sie hier auf unserer Wissensseite.

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