Nachhaltiges Wirtschaften – ein unumkehrbarer Zukunftsprozess

Nachhaltiges Wirtschaften – ein unumkehrbarer Zukunftsprozess

Alle reden über Nachhaltigkeit. Der Begriff beherrscht die öffentliche Debatte und spielt auch auf den Finanzmärkten eine immer grössere Rolle. Den Menschen sei zunehmend bewusst, dass der Klimawandel tatsächlich stattfinde und die Menschheit vor grosse Herausforderungen stellt, kommentiert Natasa Stajic von der Zurich Invest AG.

In der heutigen dynamischen Welt mit ständigen Veränderungen sind Staaten, Ökonomien und Unternehmen stetigem Druck und Unsicherheiten ausgesetzt. Diese Unsicherheiten erstrecken sich von heutzutage üblichen und bekannten bis hin zu neuartigen und nicht einschätzbaren Risiken. Geopolitische und wirtschaftliche Spannungen könnten die Bemühungen beeinträchtigen, solche Unsicherheiten in zahlreichen Bereichen zu bändigen. «Dies gilt auch und gerade in einem Bereich, in dem ein Scheitern nicht tragbar ist, dem Klimawandel», sagt Natasa Stajic, Betriebsökonomin in Risk & Insurance bei der Zurich Invest AG. Der Klimawandel schreitet schneller und stärker voran, als viele erwartet haben. Zum ersten Mal in der Geschichte des «Global Risks Report» dominieren dieses Jahr, bezogen auf die Eintrittswahrscheinlichkeit klimabezogene Faktoren, alle fünf langfristigen Risiken.

Nachhaltiges Wirtschaften

Doch Nachhaltigkeit bedeutet mehr als Umwelt- und Klimaschutz: Staaten und Wirtschaftsakteuren wird zunehmend bewusst, dass auch soziale Werte wie Sicherheit und Gesundheit der Menschen, sowie gute Unternehmensführung ohne Korruption und Bereicherung ebenfalls notwendig sind für ein nachhaltiges Wirtschaften. Gerade institutionelle Investoren seien als einflussreiche Akteure aufgerufen, Nachhaltigkeitsaspekte in einem umfassenden Sinn bei ihren Investmentprozessen zu berücksichtigen. Sonst müssten sie sich allenfalls in Zukunft dem Vorwurf aussetzen, zu wenig Verantwortung übernommen zu haben, so Stajic.

Traditionell nicht Teil der fundamentalen Finanzanalyse, Zeit für ein Umdenken?

Verantwortungsbewusstes Investieren wird weithin als die Integration von Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren (ESG) in die Investitionsprozesse verstanden. Auf dieser Basis lassen sich Nachhaltigkeit sowie ethische Auswirkungen einer Investition messen. ESG-Faktoren decken ein breites Spektrum von Themen ab. Zwar sind diese bei den meisten Analysten und Portfolio-Managern noch nicht Teil des Investmentprozesses, aber dennoch haben sie oft einen messbaren finanziellen Einfluss auf das Rendite-/Risikoprofil einer Unternehmung.

Wie Stajic weiter ausführt, wird die Frage nach Umwelt- und Klimaverträglichkeit immer bedeutsamer. Doch zusätzlich rücken sowohl soziale als auch unternehmensführende Faktoren immer weiter in den Vordergrund. So müssen Unternehmen verstärkt kommunizieren, wie wirksam sie ihre Mitarbeitenden vor Unfällen schützen, wie sie ihre Lieferketten managen, wie sie ihre Arbeitnehmer behandeln und ob sie eine Unternehmenskultur haben, die Vertrauen schafft und Innovationen fördert.

Warum Handeln gefragt ist

Der globale Finanz- und Vermögenssektor nimmt eine Schlüsselrolle im Umgang mit klimabedingten Risiken und Chancen ein – denn er ist Risikomanager, Risikoträger und Investor zugleich und hat somit Einfluss auf die Entscheidungen von Einzelpersonen, Haushalten, Unternehmen, anderen Finanzinstitutionen und öffentlichen Behörden. «Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, ist es bedeutsam, Massnahmen zu ergreifen und frühzeitig mit dem Adaptionsprozess zu beginnen, um auch künftigen Generationen Chancengleichheit und eine nachhaltige Zukunft bieten zu können», betont Stajic.

Welche nachhaltigen Investitionsansätze gibt es?

Gemäss der «Investment Market Study 2020» von Swiss Sustainable Finance können nachhaltige Investitionsansätze kategorisiert werden (Abbildung 2), und zwar entweder nach ihrem Nachhaltigkeitsfokus oder nach ihrer beabsichtigten Wirkung. Nachhaltiges Investment befindet sich zwischen dem traditionellen Investieren auf der einen und der Philanthropie auf der anderen Seite. Die nachhaltigen Investitionsansätze haben auch eine zeitliche Komponente – sie greifen entweder in der Vorinvestitions- oder in der Nachinvestitionsphase. Wenn man die Investitionsansätze von links nach rechts betrachtet, fällt auf, dass der Anspruch immer höher wird und immer stärker Nachhaltigkeit mit aktivem Handeln verknüpft wird.

Dies lässt sich anhand zweier Beispiele illustrieren: Ausschlüsse sollen lediglich ESG-Risiken mindern und sicherstellen, dass sich Investitionen an persönlichen Werten oder etablierten Normen ausrichten. Impact Investing hingegen hat zusätzlich das Ziel, ESG-Chancen aktiv zu verfolgen und positive Auswirkungen zu erzielen. Dafür werden Beteiligte ausgewählt, die ein soziales/ökologisches Problem lösen können. So möchte man messbare Ergebnisse im Sinne der Nachhaltigkeit erzielen.

Oft werden die verschiedenen Ansätze auch kombiniert. Beispielsweise wird das normbasierte Screening in der Regel in Kombination mit ESG-Engagement und Ausschluss/Exclusion angewandt. In vielen Fällen engagiert sich der Investor bei Unternehmen, die den definierten internationalen Normen noch nicht ganz entsprechen, in der Hoffnung, einen positiven Einfluss auszuüben. Gelingt dies nicht, kann er in einem zweiten Schritt solche Unternehmen aus seinem Portfolio ausschliessen.

Kategorisierung

Zeit zum Handeln

Der Klimawandel ist eine wissenschaftliche Tatsache. Das erkennen und adressieren zahlreiche Forschungsinstitute, Organisationen und Initiativen. Sie alle rufen zum Handeln auf. «Dieser Verantwortung muss sich auch jeder Finanzdienstleister und Vermögensverwalter stellen und entsprechend Nachhaltigkeitskriterien innerhalb des Investmentprozesses berücksichtigen. So kann er seinen persönlichen Einfluss geltend machen, um für einen grüneren Finanzplatz zu sorgen, die Finanzmärkte positiv zu beeinflussen, das Umweltbewusstsein im Investmentprozess zu steigern und die Politik mit Erfahrungswerten und Hinweisen zu unterstützen», sagt Natasa Stajic.

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