Vom Rinnsal zum Strom der Privatmarktanlagen

Vom Rinnsal zum Strom der Privatmarktanlagen

Privatmarktanlagen erfreuen sich immer grösserer Beliebtheit. Peter Bezak von der Zurich Invest beleuchtet die verschiedenen Formen von Investitionen im Privatmarktsegment und ist überzeugt, dass sie sich bestens zur Risikodiversifikation eignen. Es seien jedoch spezialisiertes Know-how und langjährige Erfahrung erforderlich.

Privatmarktanlagen haben einmal klein angefangen. «Sprudelnd wie Grundwasser aus einer kleinen Quelle floss zunächst nur ein dünnes Rinnsal, dann ein kleiner Bach den Hang hinab, immer weiter, bis sich daraus ein breiter Strom entwickelte. Dementsprechend haben sich Privatmarktanlagen in den letzten Jahren zu einem wichtigen Anlagesegment für institutionelle Investoren entwickelt», sagt Peter Bezak, Anlageexperte bei der Zurich Invest AG.

Diese Entwicklung hat das Anlageuniversum stark verändert und nicht börsenkotierten Unternehmen neue Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung erschlossen. Gemäss Preqin, einem führenden Anbieter von Finanzdaten, Analysen und Marktinformationen für alternative Vermögenswerte, sind die verwalteten Vermögen bei Privatmarktanlagen seit 2010 stark gewachsen und werden sich nach ihren Prognosen in ein bis eineinhalb Jahren gar verdreifacht haben.

Verwaltetes Kapital bei den Privatmarktanlagen und Prognose

Der Trend, Investitionen im Privatmarktsegment zu tätigen, setzt sich also unbeirrt fort. Dies ist laut Bezak drei Ursachen zuzuschreiben: Erstens dem langanhaltenden Tiefzinsumfeld, zweitens den Börsen, die trotz Corona-Krise schwindelerregende Höhen erreicht haben, und drittens – das sei ein sehr wichtiger Punkt – korrelieren Privatmarktanlagen vergleichsweise wenig mit den traditionellen Finanzmärkten. Damit seien Privatmarktanlagen bestens zur Risikodiversifikation innerhalb eines Portfolios geeignet.

Löwenanteil in Private Equity

Den grössten Anteil bei den Privatmarktanlagen bildet das global verwaltete Private-Equity-Kapital mit über 4,4 Billionen US-Dollar. «In den vergangenen 20 Jahren haben sich die Aktienmärkte stark verändert – beispielsweise hat die Anzahl börsenkotierter US-Unternehmen während dieser Zeit massiv abgenommen. An den Börsen dominieren vor allem lang bestehende, mehrheitlich grosse und reife, aber auch langsam wachsende Unternehmen», so Bezak. Gleichzeitig bleiben heute Unternehmen länger in privaten Händen. Diese strukturellen Veränderungen bieten Private-Equity-Anlegern gute Investitionsmöglichkeiten, denn private Unternehmen müssen dadurch nicht zwingend an der Börse kotiert sein, um an frisches Kapital zu gelangen.

Starkes Wachstum bei Private Debt

Private Debt ist wohl die jüngste Anlageklasse im Privatkapitaluniversum. Zudem verzeichnete sie seit der globalen Finanzkrise ein starkes Wachstum: Das weltweit verwaltete Vermögen ist jährlich gestiegen und erreichte im Oktober 2020 einen Stand von 848 Milliarden US-Dollar. Preqin erwartet, dass Private Debt mit einer jährlichen Wachstumsrate von 11,4 Prozent in den nächsten fünf Jahren eine der am schnellsten wachsenden Anlageklassen sein wird. «Die prognostizierte Wachstumsrate signalisiert damit eine starke Nachfrage, die sich durch eine erwartete Nettorendite in Euro von etwa 6 Prozent bis 8 Prozent je nach Ansatz erklären lässt. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld bedeutet dies eine attraktive Investitionsmöglichkeit», erklärt Bezak.

Positive Perspektiven bei Infrastruktur

Das international verwaltete Vermögen, das in Infrastruktur investiert ist, stellt das in den vergangenen zehn Jahren am stärksten gewachsene Privatmarktanlagensegment dar. Es hat sich fast vervierfacht und erreichte im Herbst 2020 einen Stand von 639 . US-Dollar. Es kann laut dem Anlageexperten davon ausgegangen werden, dass die Ausgaben für Infrastruktur weiter steigen werden, wobei der Schwerpunkt auf den Zielen für nachhaltige Entwicklung liegen werde. Das Thema Infrastruktur steht beispielsweise in den USA im Rampenlicht, da die neugewählte Biden-Regierung mit ihrer politischen Mehrheit im Kongress versuchen wird, verstärkt in Infrastruktur zu investieren.

Auch in der Schweiz steht das Thema hoch im Kurs, denn seit Oktober 2020 fallen Infrastrukturanlagen bei den Anlagerichtlinien für Pensionskassen nicht mehr in die Kategorie der alternativen Anlagen. Schweizer Pensionskassen können gemäss revidierter BVV2-Verordnung neu bis zu 10 Prozent ihrer Vermögen in diese neue Anlagekategorie investieren. «Dies wird zu erheblichen Allokationsverschiebungen führen: Die Vorsorgeeinrichtungen erhalten einerseits die Möglichkeit, ihre Infrastruktur-Allokationen zu erhöhen und können gleichzeitig die dadurch frei gewordenen Allokationen in andere alternative Anlagen wie Private Equity, Private Debt oder Private Real Estate investieren», erläutert Bezak.

Solide Immobilien

Die in Private Real Estate verwalteten Vermögen von über 1 Billionen US-Dollar sind über die vergangenen zehn Jahre im Vergleich zu den übrigen Anlageklassen am geringsten gewachsen. Der Anlagespezialist geht aber davon aus, dass sich weiterhin viele Anleger Immobilien zuwenden dürften, da sich damit solide Renditen erzielen lassen. Vermögenswerte in Immobilien können vor allem von langfristigen Mietverträgen, indexierten Mieten und stabilen Cashflows profitieren. Dies mache sie für langfristige Anleger sowie diejenigen, die Inflationsschutz suchen, zunehmend attraktiv.

Spezialisiertes Know-how erforderlich

«Privatmarktanlagen erfordern vertieftes Know-how und langjährige Erfahrung. Anleger benötigen nicht nur Kenntnisse über verschiedene Anlagekategorien und Investitionsformen, sondern auch über regulatorische und steuerliche Rahmenbedingungen sowie deren Risiken», so Bezak. Angesichts des notwendigen spezialisierten Know-hows empfehle es sich, das Investment über indirekte Investitionsvehikel oder Mandatslösungen zu realisieren. Dabei sei eine Umsetzung über offene oder geschlossene Fondsstrukturen möglich, die von professionellen Investment Managern strukturiert und verwaltet werden. Typischerweise bieten sich hier Schweizer Anlagestiftungen oder in Luxemburg domizilierte Fonds an. Schweizer Pensionskassen investieren meist über geschlossene Anlagelösungen. Die geschlossene Struktur passe zur illiquiden Natur solcher Anlagen, die in der Regel bis zu ihrer Reife gehalten werden. «Empfehlenswert ist die sorgfältige Auswahl eines professionellen Investment Managers, der den Anlegern erleichterten Zugang zu den aussichtsreichsten Vermögensanlagen gewährt und für eine transparente und kosteneffiziente Struktur sorgt», meint Bezak. Um mit der anfangs erwähnten Metapher abzuschliessen: Man benötige die erfahrensten Kapitäne, um sicher auf reissenden Strömen zu navigieren.