Private Equity ist wie Wein – der Ertrag hängt vom Jahrgang ab

Private Equity ist wie Wein – der Ertrag hängt vom Jahrgang ab

Anlagen in Private Equity sind seit Jahren eine beliebte Alternative zu Investitionen in börsennotierten Aktien. Ist bei Anlegerinnen und Anlegern die Grundsatzentscheidung für Investitionen in Private Equity gefallen, stellt sich die Frage nach der Allokation sowie der praktischen Umsetzung.

Über die vergangenen 20 Jahre haben sich Aktienmärkte stark verändert. Beispielsweise hat die Anzahl börsennotierter US-Unternehmen über die Zeit massiv abgenommen. An diesen Märkten dominieren vor allem über lange Zeit bestehende, mehrheitlich grosse und reife sowie langsam wachsende Unternehmen. Gleichzeitig bleiben Unternehmen heute länger in privaten Händen. Diese strukturellen Veränderungen bieten Private-Equity-Anlegerinnen und  Anlegern gute Investitionsmöglichkeiten.

Besserer Zugang zu innovativen Unternehmen

Private Unternehmen brauchen nicht zwingend an der Börse notiert zu sein, um an frisches Kapital zu gelangen. Damit bleiben Unternehmen länger in privaten Händen. Ein später eintretender Börsengang kann jedoch grössere Gewinne mit sich bringen. Dies führt dazu, dass wiederum an den Aktienmärkten der Zugang zu jungen, innovativen und wachstumsstarken Unternehmen besser wird: ein idealer Einstiegszeitpunkt in Private-Equity-Anlagen.

Lange Laufzeit und strategische Planung

Private-Equity-Investments unterliegen einer Laufzeit von zehn bis zwölf Jahren und eignen sich für Investorinnen und Investoren mit einer langfristigen Anlagestrategie. Da es beinahe unmöglich ist, Marktbedingungen Jahre im Voraus zu prognostizieren, ist ein perfektes Timing für einen Einstieg äusserst schwierig zu finden. Damit während dieser Anlagedauer und über einen solchen Lebenszyklus hinaus der anfänglich festgelegte Betrag dennoch konstant bleibt, ist eine entsprechende Strategie erforderlich. Privatmarktanlagen folgen einem typischen Lebenszyklus und das Cashflow-Profil verläuft üblicherweise nach dem Schema einer J-Kurve.

Portfolio aussichtsreicher Unternehmensbeteiligungen

Der Lebenszyklus startet mit der Kapitalinvestition in Private Equity. Nach der Kapitalzusage beginnt die Investitionsperiode. In dieser Phase ruft der beauftragte Private-Equity-Manager Schritt für Schritt das Kapital ab und baut so über rund sechs Jahre ein Portfolio aus aussichtsreichen Unternehmensbeteiligungen auf. Dabei generieren Investitionen, Gebühren und Ausgaben einen negativen Cashflow. Nach dem Kauf eines Unternehmens wird dem Geschäftsplan entsprechend die Desinvestition eingeleitet (Realisierungszeitraum).

Der J-Kurven-Effekt

Mit zunehmender Reife des Portfolios erfolgen Kapitalrückzahlungen, die laufend zunehmen. Grundsätzlich werden Erträge nicht reinvestiert, sondern der Anlegerin bzw. dem Anleger ausgezahlt. Nach dem Ende der Investitionsperiode erhält die Anlegerin bzw. der Anleger ausschliesslich Ausschüttungen – und zwar so lange, bis das letzte Unternehmen verkauft wurde. Mit der Veräusserung der Beteiligungen werden also die Gewinne erzielt. Dadurch entsteht ein positiver Rendite- und Cashflow-Trend, der sogenannte J-Kurven-Effekt.

Herausforderung Zielallokationserreichung

Den Markt und die Bewertungen kann man langfristig nicht vorhersagen und somit auch nicht zeitlich exakt aufeinander abstimmen. Will man von hohen und niedrigen Bewertungen profitieren, ist es daher sinnvoll, die Allokation in Private Equity über mehrere Jahre zu planen und zu investieren, sodass etwa sieben bis acht Auflegungsjahre abgedeckt sind.

Optimale Diversifikation der Vintage-Jahre

Wie beim Wein können sich einzelne Jahrgänge wesentlich voneinander unterscheiden. «Schwache» Auflegungsjahre ergeben sich bei hohen Firmenbewertungen, weil es schwierig ist, beim Verkauf hohe Gewinne zu erwirtschaften. Gleichzeitig haben hohe Bewertungen einen positiven Effekt auf die Rendite der Engagements, die in Zeiten tiefer Bewertungen getätigt worden sind. Werden Anlagegruppen kontinuierlich aufgebaut, erreichen sie eine optimale Diversifikation der Vintage-Jahre. Deshalb sollten Investoren alle zwei bis drei Jahre in ein neues Private-Equity-Programm investieren.

Profundes Know-how gefragt

Privatmarktanlagen erfordern solides Know-how und langjährige Erfahrung. Anlegerinnen und Anleger benötigen nicht nur Kenntnisse über die verschiedenen Investitionssegmente, sondern auch über regulatorische und steuerliche Rahmenbedingungen. Es ist ein Management zu bevorzugen, das eine aktive Strategie mit der Absicht verfolgt, Unternehmen zu verbessern sowie deren Wert zu steigern, und dabei auf eine transparente und kosteneffiziente Struktur achtet.

Quelle:
B2B – Schweizer Magazin für kollektive und strukturierte Investments, Ausgabe 64