Wie der Klimawandel schwarze zu grünen Schwänen macht

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Wie der Klimawandel schwarze zu grünen Schwänen macht

Nicht nur in der Natur, auch in der Wirtschaft kommt es manchmal zu Ereignissen und Entwicklungen, die in ihrer Art und Intensität nicht vorhersehbar sind. Die Folgen derartiger Vorkommnisse sind jedoch oftmals so massiv, dass sie die Betroffenen dazu bewegen, traditionelle Handlungsweisen zu hinterfragen und einen Prozess des Umdenkens einzuleiten.

In der Natur gelten schwarze Schwäne als eine solche Ausnahmeerscheinung. Schwäne haben in der allgemeinen Vorstellung ein weisses Federkleid. Dennoch sind die Trauerschwäne Realität. Sie zwingen uns deshalb, unseren Blick auf die Wirklichkeit zu verändern.

Schwarze Schwäne als Metapher für unvorhersehbare Ereignisse

Der Finanzmathematiker Nassim Nicholas Taleb etablierte in seinem 2007 erschienen Buch «Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse» das Phänomen der schwarzen Schwäne als Metapher für die extremen Auswirkungen höchst unwahrscheinlicher Ereignisse in der Wirtschaft. 

Taleb definiert ein Schwarzes- Schwan-Ereignis anhand dreier grundlegender Merkmale:

  • Sie treten selten und völlig unerwartet auf und spielen sich ausserhalb unserer Vorstellungen ab
  • Sie haben weitreichende und erhebliche Folgen
  • Sie sind erst im Nachhinein erklärbar
Schwarze Schwäne treten in den unterschiedlichsten Formen auf. Ein Terroranschlag oder eine Naturkatastrophe kann ebenso ein derartiges Ereignis darstellen wie eine bahnbrechende Erfindung, die völlig neue Wege eröffnet. In jedem Fall stellen sie jedoch eine starke Abweichung von in der Vergangenheit gemachten Erfahrungen dar. Dies führt dazu, dass sie von wahrscheinlichkeits-theoretischen Ansätzen, die auf vergangenen Ereignissen beruhen, nicht erfasst und vorhergesagt werden können. Value-at-Risk-Modelle, bei denen die Risiken aufgrund von Normalverteilungen berechnet werden, sind deshalb kein geeignetes Instrument zur Vorhersage von Schwarzen-Schwan-Ereignissen.

Wenn schwarze zu grünen Schwänen werden

Aufgrund des Klimawandels gesellen sich zu den schwarzen Schwänen immer häufiger auch grüne Schwäne. Diese weisen grundsätzlich die gleichen typischen Merkmale auf wie ihre dunkel gefiederten Verwandten. Sie führen nicht nur zu physischen, sondern auch zu transitorischen Risiken, die aus den Daten der Vergangenheit nicht abgeleitet werden können. Der Harvard-Professor M.L. Weitzmann schrieb dazu bereits 2011: «Klimabezogene Risiken weisen typischerweise eine Fat-Tail-Verteilung auf: Sowohl physische Risiken als auch Transitionsrisiken sind durch grosse Unsicherheit und Nichtlinearität gekennzeichnet, ihre Eintrittswahrscheinlichkeit spiegelt sich nicht in den Daten der Vergangenheit wider, und die Möglichkeit von Extremwerten kann nicht ausgeschlossen werden.» Traditionelle Ansätze des Risikomanagements, die sich auf die Extrapolation und die Annahme von Normalverteilungen stützen, fallen deshalb zur Bewertung zukünftiger klimabedingter Risiken aus.

Trotz der vielfältigen Parallelen von grünen und schwarzen Schwänen unterscheiden sie sich doch in drei wesentlichen Punkten: 

  1. Es besteht grundsätzlich Einigkeit darüber, dass der Klimawandel vielfältige physische und transitorische Risiken birgt, die in der Zukunft erhebliche Auswirkungen haben werden. Daraus folgt die Erkenntnis, dass trotz der Unsicherheit über die Intensität und den zeitlichen Ablauf der klimatischen Transformation massive Massnahmen zur Eindämmung der Entwicklung notwendig sind.
  2. Die durch Klimakatastrophen bedingten Krisen stellen eine existenzielle Bedrohung der Menschheit dar. Die Auswirkungen des Klimawandels sind fundamental und übertreffen die Effekte einer systemischen Finanzkrise bei weitem.
  3. Grüne Schwäne können zu komplexen Kettenreaktionen und Kaskadeneffekten führen, die nicht nur mit physischen, sondern auch mit transitorischen Risiken auf den unterschiedlichsten Feldern verbunden sind. Die ökologischen und geopolitischen Effekte des Klimawandels führen in der Folge unweigerlich zu unvorhersehbaren Dynamiken im sozialen und wirtschaftlichen Bereich. (Bolton et al 2020).

Klimaeffekte in Risikoanalysen integrieren

Obwohl viele Unternehmen und Anleger den Ernst der Situation bereits erkannt haben, mangelt es oftmals noch an einer überzeugenden Strategie im Umgang mit dem Klimawandel. Um einen solchen Plan zu formulieren, müssen zunächst die individuellen Risiken, denen ein Unternehmen in diesem Zusammenhang ausgesetzt ist, gründlich analysiert und evaluiert werden.

Auf der Basis der so gewonnenen Erkenntnisse ist es möglich, entsprechende Massnahmen zu ergreifen und in die vorhandenen Risikomanagementprozesse zu integrieren. Unternehmen, die ein solches Bewusstsein entwickelt haben, können dadurch ihren Investoren eine überzeugende, langfristige Strategie präsentieren.

Zweckgebundene und auf einen spezifischen Effekt hin orientierte Anlagen wie Green Bonds werden deshalb in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Sie stehen nicht nur für den messbaren und nachhaltigen Kampf gegen den Klimawandel, sondern auch für positive Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft.

 

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