Solide Ausgangslage, neue Chancen nutzen
Schweizer Pensionskassen blicken auf eine starke erste Jahreshälfte 2026 zurück: Per Ende August liegt die durchschnittliche Performance bei 5,0 Prozent, der vermögensgewichtete Deckungsgrad privatrechtlicher Kassen erreichte mit rund 124 Prozent ein neues Rekordhoch. Vor diesem Hintergrund rücken Private Markets – insbesondere Infrastruktur – ins Zentrum institutioneller Strategien. Traditionelle Staatsanleihen bieten weniger attraktive Renditen bei erhöhtem Duration-Risiko, weshalb Pensionskassen nach alternativen Ertragsquellen suchen.
Infrastruktur: Rekord-Fundraising 2025, Nachfrage bleibt hoch
Der Infrastrukturmarkt hat 2025 einen historischen Meilenstein erreicht: Global wurden rund 200 Milliarden Dollar in private Infrastruktur-Fonds eingesammelt – ein Allzeithoch, das mehr als eine Verdoppelung gegenüber 2024 bedeutet. Auch 2026 setzt sich der Trend fort: Im ersten Halbjahr 2026 wurden global 28 Infrastrukturfonds mit einem Gesamtvolumen von über 54 Milliarden Dollar abgeschlossen. Besonders hervorzuheben ist KKR, eine der weltweit führenden US-Investmentfirmen, die im August 2026 ihren bisher grössten Infrastrukturfonds mit 19,2 Milliarden Dollar final geschlossen hat – fokussiert auf digitale Infrastruktur, Energie-Transition und Rechenzentren.
Treiber dieser Entwicklung sind massive Investitionsbedarfe in Energie, Digitalisierung und Deglobalisierung. Der globale Energiesektor dürfte laut Barclays-Analysten bis 2027 jährliche Investitionen von rund 3,6 Billionen Dollar benötigen – angetrieben durch KI, Elektrifizierung und Energiesicherheit. Datenzentren, Stromnetze und erneuerbare Energien stehen dabei im Fokus.
Für Pensionskassen bieten Infrastrukturanlagen langfristige, stabile Cashflows, teilweise Inflationsschutz und eine geringe Korrelation zu traditionellen Anlageklassen. Im Fokus der Anleger stehen dabei oft «Brownfield»-Projekte – also bestehende Infrastrukturanlagen mit nachgewiesener Cashflow-Historie. Allerdings bestehen auch Risiken: Netzengpässe, Lieferkettenprobleme und lokale Widerstände können zu Projektverzögerungen führen und die Ausführungsrisiken im derzeit viel diskutierten KI-Infrastrukturbereich erhöhen.
Private Equity & Debt: Selektivität zahlt sich aus
Neben Infrastruktur gehören auch Private Equity und Private Debt zum Spektrum der Privatmarktanlagen. Private Equity beteiligt sich direkt an Unternehmen, während Private Debt Kredite ausserhalb der öffentlichen Märkte vergibt. Beide Assetklassen bieten potenziell höhere Renditen als öffentliche Märkte, bringen aber auch längere Bindungsdauern und daher weniger liquide Positionen mit sich. Die aktuelle Marktlage zeigt: Bei Private Equity bleiben die Ausschüttungen an Investoren unter dem langfristigen Durchschnitt, während Private Debt von strukturell höheren Zinsen in den USA und im Euroraum profitiert. Für Pensionskassen bedeutet dies, dass eine sorgfältige Auswahl und eine angemessene Portfoliogewichtung entscheidend sind, um die Vorteile dieser Assetklassen zu nutzen.
Fazit
Private Markets sind für Pensionskassen heute mehr als nur eine Beimischung – sie sind ein strategischer Baustein zur Erzielung stabiler, diversifizierter Erträge in einem komplexen Umfeld. Infrastruktur, Private Equity und Private Debt bieten attraktive Chancen, erfordern aber auch ein professionelles Risikomanagement und eine klare strategische Ausrichtung. Je nach Einsatz dieser Assetklassen kann es die Resilienz eines Portfolios stärken.
Dieser Beitrag basiert auf der Kolumne «Anlage Aktuell» von Peter Bezak, erschienen in «AWP Soziale Sicherheit», Ausgabe 13/2026 vom 16.09.2026
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