Windenergie

Infrastruktur-Investitionen in politisch bewegten Zeiten

Infrastruktur-Investitionen zwischen staatlicher Sicherheit und politischer Unberechenbarkeit – worauf sollten Investoren achten?
Die globale politische Landschaft ist im Wandel: Neben geopolitischen Krisen ist eine zunehmende Polarisierung der Politik festzustellen: Immer häufiger unterscheiden sich neue Regierungen grundlegend von ihren Vorgängern, sei es in ihren wirtschaftlichen Prioritäten, Regulierungsansätzen oder Förderprogrammen. Für die Finanzmärkte bedeutet das: Planbarkeit und Stabilität sind keineswegs selbstverständlich.

Was macht Infrastruktur aus Investorensicht so attraktiv?

Infrastruktur-Investitionen sind in der Regel an die Grundbedürfnisse der Gesellschaft gekoppelt, liefern planbare Cashflows und bieten einen natürlichen Inflationsschutz. Oft verfügen sie zudem über hohe Eintrittsbarrieren und geringe Konkurrenz. Für institutionelle Anleger mit langfristigem Anlagehorizont sind das gewichtige Argumente – insbesondere wenn die Finanzmärkte volatiler werden.

Staatliche Regulierung im Infrastrukturmarkt – ein weiterer Vorteil

Für Anleger ist ebenfalls positiv, dass viele Infrastruktur-Investitionen staatlich oder regulatorisch abgesichert sind:

  • Regulierte Renditen: Wasser- oder Stromversorger arbeiten oft in Märkten, in denen ein Regulator die zulässigen Tarife festlegt. Britische Wasserunternehmen etwa erhalten planbare, politisch festgelegte Renditen. Das schafft Stabilität für Investoren.
  • Regulatorischer Schutz: Manche Assets profitieren von gesetzlichen Schutzmechanismen, z.B. ein Flughafenbetreiber, dem im Umkreis von 100 Kilometern keine Konkurrenz genehmigt werden darf. Solche Monopolsituationen bieten Verlässlichkeit.
  • Direkte Subventionen: Gerade im Bereich erneuerbare Energien sind Einspeisevergütungen, Tax Credits oder einmalige Investitionszuschüsse zentrale Einnahmequellen und eröffnen Zugang zu neuen Technologien.

Warum greift der Staat ein?

Staatliche Sicherheiten und Regulierungen dienen der öffentlichen Hand dazu, eine private Finanzierung zentraler Infrastruktur zu ermöglichen. Gleichzeitig sollen Versorgungssicherheit und Preisstabilität gewährleistet bleiben – insbesondere in monopolartigen Märkten. Für Investoren bedeutet dies ein kalkulierbares Umfeld und eine gewisse Schutzfunktion gegen Marktrisiken. Die politische Einflussnahme sorgt in der Regel für stabile, berechenbare Rahmenbedingungen – in Ausnahmefällen können neue politische Vorzeichen jedoch zu Herausforderungen werden.

Risiken: Wenn der Wind sich dreht

Die Kehrseite staatlicher Absicherung sind politische und regulatorische Risiken: Regierungswechsel können zu Richtungsänderungen, Kürzungen oder sogar zur Rücknahme bestehender Förderungen führen.

  • Spanien: Subventionskürzungen rückwirkend – eine Warnung
    In Spanien wurden im Zuge der Finanzkrise 2012/13 grosszügige Einspeisevergütungen für erneuerbare Energien massiv reduziert. Dies geschah rückwirkend und mit gravierenden Folgen für Investoren und Betreiber. Die Ereignisse führten zu langjährigen Rechtsstreitigkeiten und teilweisen Verlusten. 
  • USA: IRA Tax Credits und «One Big Beautiful Bill Act» 
    Mit dem Inflation Reduction Act (IRA) wurden steuerliche Anreize für erneuerbare Projekte wie Solar, Wind oder Battery Storage massiv ausgeweitet. 2025 lancierte die US-Regierung den «One Big Beautiful Bill» (OBBA), der diese Anreize teilweise zeitlich limitiert und/oder an Bedingungen knüpft.
Solche Beispiele zeigen eindrücklich, dass politische Risiken selbst in etablierten Märkten nicht unterschätzt werden dürfen.

Was können Investoren tun?

Trotz attraktiver Rahmenbedingungen birgt Infrastruktur Risiken und Chancen zugleich. Folgende Strategien helfen, politische Klumpenrisiken zu mindern:

  • eine Diversifikation über Länder und Sektoren
  • ein Fokus auf Projekte, die auch ohne staatliche Zuschüsse tragfähig sind 
  • solide Deal-Strukturierung mit hohem Anteil langfristig fixierter vertraglicher Einnahmen mit bonitätsstarken Gegenparteien
  • Vermeidung besonders volatiler oder politisch instabiler Regionen

Fazit: Infrastruktur bleibt attraktiv – mit Augenmass

Infrastruktur-Investitionen haben sich dank ihrer defensiven Eigenschaften, der niedrigen Korrelation zu traditionellen Anlageklassen und ihres Potenzials für stabile, inflationsgeschützte Erträge als wertvoller Portfolio-Baustein erwiesen – selbst in politisch turbulenten Zeiten. Trotzdem erfordern sie sorgfältige Prüfung und eine intelligente Diversifikation. Wer bei der Strukturierung Risiken berücksichtigt, regulatorische und politische Entwicklungen aktiv beobachtet und auf solide Strukturen setzt, kann mit Infrastruktur nicht nur attraktive Renditen erzielen, sondern seinem Portfolio auch die gesuchte Stabilität verleihen.

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