Frau klettert auf Berg

Private Equity neu gedacht: weniger Hype, mehr Kontrolle

Viele Pensionskassen sind bereits in Private Markets investiert oder haben sich mit dieser Anlageklasse auseinandergesetzt. Aktuell stellen sich in diesem bewährten Bereich aber neue Fragen. Denn höhere Zinsen, geopolitische Risiken und ein zäher Exit-Markt verändern die Spielregeln. Wer in Private Equity investieren will, muss heute nicht nur die Rendite, sondern auch Liquidität und Resilienz berücksichtigen. Gerade Co-Investments im Middle Market, also direkte Beteiligungen an einzelnen mittelgrossen, etablierten Unternehmen mit Wachstumspotenzial und üblicherweise an der Seite eines erfahrenen Private-Equity-Managers, können dabei eine überzeugende Antwort sein.

Gezielter Einsatz

Private Equity hat seinen festen Platz in vielen Portfolios gefunden. Der Reiz der Beteiligung an nicht kotierten Unternehmen liegt in der Diversifikation und im Zugang zu Wertschöpfung ausserhalb der Börsen. Doch in einem Umfeld höherer Finanzierungskosten und stärkerer geopolitischer Spannungen genügt es nicht mehr, breit in die Anlageklasse investiert zu sein. Gefragt ist heute eine gezieltere Auswahl: mehr Fokus auf selektive Co-Investments, robuste Middle-Market-Deals und eine nachvollziehbare Wertschöpfung.

Warum der Mittelstand überzeugt

Besonders im Middle Market entstehen Chancen, die oft weniger spektakulär wirken als grosse Buyouts, dafür aber operativ überzeugender sind. Viele dieser Unternehmen lassen sich mit gezielter Unterstützung weiterentwickeln, professioneller aufstellen und nachhaltig stärken. Genau hier entfalten Co-Investments ihren Reiz: Sie ermöglichen den Zugang zu ausgewählten Transaktionen, oft mit höherer Transparenz, geringerer Kostenbelastung und stärkerer Nähe zum eigentlichen Wertschöpfungsprozess.

Geopolitik verlangt Robustheit

Geopolitische Risiken sind inzwischen ein ständiger Begleiter der Kapitalanlage. Handelskonflikte, fragmentierte Lieferketten und regionale Spannungen erhöhen die Unsicherheit über Wachstum, Bewertungen und Finanzierungsbedingungen. In diesem Umfeld sind Co-Investments im Middle Market besonders interessant, weil sie häufiger auf realwirtschaftliche Stärke, operative Verbesserungen und nachvollziehbare Geschäftsmodelle setzen als auf aggressive Finanzierungsstrukturen.

Mehr Disziplin, weniger Streuverlust

Für Pensionskassen liegt die eigentliche Kunst nicht darin, möglichst viel Private Equity zu besitzen, sondern es effizient einzusetzen. Im Vergleich zu klassischen Dachfondsanlagen erlauben Co-Investments häufig eine gezieltere Selektion, tiefere laufende Kosten und eine klarere Einbindung in die strategische Allokation. Wer langfristig denkt, braucht nicht nur Renditepotenzial, sondern auch Steuerbarkeit. Genau das macht diese Form des Investierens heute so relevant.

Ein Anlagebaustein mit Profil

Private Equity bleibt anspruchsvoll, aber nicht weniger interessant. Im Gegenteil: Gerade die Kombination aus selektiven Co-Investments, Middle-Market-Fokus und disziplinierter Liquiditätsplanung macht die Anlageklasse für Vorsorgeeinrichtungen heute besonders anschlussfähig. In einem unsicheren Umfeld sind es oft nicht die lautesten Strategien, sondern die präzisesten, die sich als nachhaltig erweisen.

Dieser Beitrag basiert auf der Kolumne «Anlage Aktuell» von Peter Bezak, erschienen in «AWP Soziale Sicherheit», Ausgabe 12/2026 vom 17.06.2026.

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